Der so genannte "Ehrenmord"

Wie schon in letzter Zeit in den Medien berichtet worden ist, weisen alle Indizien daraufhin, dass drei junge türkisch-stämmige Männer am 7. Februar, in Tempelhof auf offener Straße einen Ehrenmord ausübten, der gegen ihre eigene Schwester gerichtet war. Bedauerlicherweise traten allein in Berlin derartige Vorfälle binnen fünf Monaten schon fünf Mal auf! Das Opfer, die 23-Jährige Hatun Sürücü, starb nur, weil sie ihr Leben so leben wollte, wie sie es sich vorstellte - frei und unabhängig! Sie war eine lebenslustige Frau, die sich gern auf Partys amüsierte und sich auch oft mit Freunden traf. Zuvor trug sie ein Kopftuch und war mit 16 in der Türkei zwangsverheiratet worden. Jedoch kam sie mit dieser Situation nicht zurecht und trennte sich von ihrem Mann. Sie kehrte damals noch schwanger zurück nach Berlin. In Berlin legte sie dann ihr Kopftuch ab. Nach der Geburt ihres Sohnes fing sie eine Ausbildung als Elektroinstallateurin an. Sie stand kurz vor dem Abschluss ihrer Lehre. Für die Familie hat sie durch ihre Trennung und ihrer neuen Lebensart die Ehre beschmutzt, weshalb die Familie ihren Tod beschloss.

Wir, die Schüler der Klasse 9a des Robert-Koch-Gymnasiums in Kreuzberg, darunter 80% Schüler türkischer Herkunft, tolerieren ein solches Vergehen keineswegs! Wir sind empört über die negativen Äußerungen mancher ausländischer Jungen an der Thomas-Morus Oberschule in Neukölln, die den brutalen Mord an dieser jungen Frau gutheißen! Wir wollen nicht, dass so ein negatives Bild der ausländischen Bevölkerung in Deutschland entsteht, denn die Menschen, die einen islamisch-fundamentalistischen Hintergrund haben und den Ehrenmord an jungen Frauen rechtfertigen, sind ganz klar in der Minderheit! Außerdem scheinen manche Menschen islamischen Glaubens ihre Religion und Tradition so zu vermischen, wie es ihnen passt. Die Zwangsehe zum Beispiel wird in älteren, noch bestehenden Traditionen groß geschrieben. Hierbei zwingen die Eltern ihre in den meisten Fällen noch jungen Töchter, Ehen einzugehen, um davon profitieren zu können. Die Töchter gehen diese ein aus Angst, man könne sie aus der Familie ausstoßen. Die Eltern sind sich nicht bewusst, dass sie sich strafbar machen und die Menschenrechte verletzen. Wie bestätigt, führt dies oft zum Tode der eigenen Tochter, nach ihrem gescheiterten Versuch sich von der Tradition zu lösen und ein eigenes und freies Leben zu starten. Diese Traditionen gründen sich nicht auf den Islam. Der Islam ist eine friedliche, tolerante Religion, in der geschrieben steht, dass jeder Mensch das Recht auf ein eigenes Leben hat. Deshalb fordern wir alle auf, nicht länger zu schweigen, sondern etwas dagegen zu unternehmen, um solche schrecklichen Taten zu vermeiden!

Rania Al-Said (Klasse 9a)

Wie eine Deutsche

Wir die, Schüler und Schülerinnen der Klasse 9A der Robert-Koch-Oberschule, protestieren aufs Schärfste gegen die Meinung der drei Jugendlichen der Thomas-Morus-Oberschule, die den Mord an der Türkin Hatun Sürücü verteidigten. Die Schüler unserer Schule haben großenteils einen muslimischen Hintergrund und sind der Meinung, dass jeder Mord an Menschen grausam und daher zu verachten ist. Wir sind daher dagegen, mit der schwachen Argumentation der Ehrverteidigung einen Menschen zu ermorden. Wir wollen zeigen, dass kaum ein muslimischer Jugendlicher so denkt, sondern dass wir unsere Religion vielmehr mit Respekt vor allem Leben und mit Liebe verbinden. Wir haben in mehreren Schulstunden über den sinnlosen Mord an der jungen Frau Hatun Sürücü diskutiert und haben dabei festgestellt, dass niemand von uns so denkt wie diese drei Schüler der Thomas-Morus-Oberschule. Alle bisherigen Indizien weisen daraufhin, dass Hatun Sürücü von ihren Brüdern auf offener Straße ermordet wurde, weil sie die Ehre der Familie beschmutzt haben soll. Diese hatten den Mord damit gerechtfertigt, dass Hatun Sürücü lebte wie eine Deutsche und daher den Tod verdient habe. Wir sind der Meinung, dass jeder Mensch so leben sollte, wie es für ihn am besten ist, solange er niemand anderes dabei in dessen Freiheit einschränkt.

Zeinab Osseili, Yesim Tekgöz