Internationaler Herbst 2005 an der RKO                   
Seit Beginn des Schuljahres gab es viele Erlebnisse, die unseren Schulalltag bereicherten.
Es begann im September mit der Teilnahme mehrerer Englischkurse an den Veranstaltungen des Internationalen Literaturfestivals Berlin. Zuerst hörten wir eine Lesung aus einem Roman der koreanisch-amerikanischen Autorin An Na, die in ihrem Buch aus der Sicht eines Kindes ihre Gefühle und Erfahrungen beschreibt, als ihre Eltern mit ihr Korea verließen, um ein neues Leben in Amerika zu beginnen. Eine andere Gruppe war sehr bewegt von einem neuen Roman von Jenny Robson, die in Südafrika und Botswana lebt und in ihrem Buch ein erschütterndes Bild der großen Bedrohung durch AIDS zeichnet. Aus Südafrika kam auch Gcina Mhlophe, die die wichtige afrikanische Tradition des Erzählens von Geschichten mit viel Schwung weiterführt. Auf diesen Veranstaltungen lernten wir fremde Welten kennen und konnten mit den Autorinnen diskutieren.
  Ende September fand der lange vorbereitete Besuch eines dänischen Lehrerkollegiums statt. Wir hatten seit fast einem Jahr daran gearbeitet, nachdem wir viele Gemeinsamkeiten zwischen unseren Schulen entdeckt hatten. Das VUC Vestegnen in Kopenhagen bemüht sich als Schule des Zweiten Bildungsweges ganz besonders um junge (und manchmal auch ältere) Erwachsene, die bessere Schulabschlüsse anstreben. Unter ihnen sind viele aus schwierigen Lebensverhältnissen und – wie bei uns – viele mit einem Migrationshintergrund. Bei einem kurzen Besuch im April konnten einige von uns die engagierten Kollegen treffen und auch sehen, wie großzügig die baulich attraktive Schule ausgestattet ist.
Auf einer Studienreise nach Berlin wollten die Kolleginnen und Kollegen im Gedankenaustausch Anregungen für ihre Arbeit bekommen. Die Hälfte der 72 Teilnehmer verbrachte einen Vormittag an der RKO. Wir organisierten Gespräche mit unseren Schülern und dem Kollegium. Spontan bildeten unsere Schüler Musikgruppen, um das Programm zu umrahmen und aufzulockern. Wie oft für unsere Gäste boten wir auch einen Kiezspaziergang an. Nach der Rückkehr bekamen wir sehr nette Dankesworte: „Es war ein lebensbejahender, fröhlicher und interessanter Tag bei Euch. Alle haben sich über das lustige und intensive Programm gefreut: Musik, Tanzen, die Gespräche mit den Schülern in den Klassen und Eure Überraschung mit dem herrlichen, türkisch geprägten Lunch. Ein Wiedersehen würde uns freuen, und wir möchten gern weitere Erfahrungen mit Euch austauschen.“

 

     
 

Im Oktober besuchten uns im Rahmen eines Seminars der Fulbright-Kommission, einer deutschen-amerikanischen akademischen Austauschorganisation, fünf amerikanische Hochschuldozenten, die an ihren Universitäten für die ausländischen Studenten zuständig sind. Im November folgten neun japanische Führungskräfte aus der Jugendarbeit, die in einem Seminar des Japanisch-Deutschen Zentrums Berlin Probleme unseres Landes studierten. Mit beiden Organisationen arbeiten wir schon seit mehreren Jahren zusammen, und wieder verliefen die Begegnungen für alle Beteiligten äußerst anregend. Unsere Schüler erwiesen sich als kompetente und sprachgewandte Gastgeber. In den Gesprächen stand häufig das interkulturelle Zusammenleben an unserer Schule und in unserer Stadt im Mittelpunkt. Mit den amerikanischen Gästen wurden natürlich auch Aspekte des amerikanischen „way of life“ und der amerikanischen Politik erörtert, während die japanischen Gäste sich besonders für die Auseinandersetzung mit der Geschichte im Unterricht interessierten.

Bei den Gesprächen haben wir voneinander gelernt und auch miteinander gelacht. Wichtig ist uns, dass diese Begegnungen Menschen einander näher bringen.

Bernd Bohse