Hier die Umfrage:

Wie fühlt sich die Schülerschaft in unserer Schule?

1.  Ich bin Schüler(in) der Klasse/des Kurshalbjahres:  

2.   Meine Muttersprache ist

     deutsch     türkisch      andere Sprache

3.   Ich bin deutsche(r) Staatsangehörige(r)

     ja       nein

4.   Ich fühle mich im Unterricht und in der Schule wohl.

     ja, meistens    unterschiedlich       nein

5.  Ich habe Schwierigkeiten mit den Lehrern.

     Oft   mit einigen   selten

6.  Ich verstehe mich gut mit meinen Mitschülern.

     Ja, mit den meisten       manchmal nicht         nein, oft nicht

7.  Die Mitarbeit im Unterricht fällt mir leicht.

     Meistens        manchmal nicht       habe oft Schwierigkeiten

8.  Die Hausaufgaben  

     belasten mich sehr     Ich komme damit ganz gut zu Recht     Ich habe eigentlich wenig zu tun

9.  Ich kann in der Schule meine Meinung frei sagen.

     Ja    manchmal nicht    ich halte mich lieber zurück

10. Die Lehrer(innen) bevorzugen Jungen

      Ja    Nein

11. Mädchen werden besser behandelt als Jungen.

      Ja    Nein

12. Mädchen werden von den Jungen oft schlecht behandelt.

      Ja    Nein

13. Ich werde in der Schule beschimpft, beleidigt.

      Ja, oft        manchmal     selten

14. Ich fühle mich in der Schule bedroht.

     Ja, oft             selten

15. Es gibt in der Schule Schlägereien.

     Ja, oft        selten     ich war Opfer  ich habe selbst geprügelt

16. Wenn ich Sorgen habe,

     gehe ich zu meinen Eltern

     rede ich mit Freund/Freundin

     kann ich mich meinem(r) Lehrer(in) anvertrauen

     fühle ich mich in der Schule meist allein gelassen

17. Wenn ich sehe, wie etwas beschmiert, zerstört wird,

      versuche ich einzugreifen und dies zu verhindern

     geht mich das nichts an

     melde ich dies einem Lehrer

     melde ich dies dem Schulsprecher

 

Hier erst einmal die ausführliche Interpretation: (später folgt eine übersichtlichere Kurzfassung)

Zusammenfassende Bewertung der Schülerumfrage vom Juni 2004

 l. Seit 1999 werden in unregelmäßiger Folge zu politischen Grundsatzfragen und aktuellen Ereignissen durch den Fachbereich Geschichte/Politische Wissenschaften Umfragen unter den Schülern durchgeführt. Themen wie Gewalt, Zuwanderung, Abgeordnetenhaus- und Bundestagswahlen sowie nach dem 11.9.01 zu Afghanistan und Irak wurden der Schülerschaft zur Beurteilung vorgelegt. Dabei wurden keine repräsentativen, sondern Gesamterhebungen in anonymer Befragung organisiert und ausgewertet. So konnten die Schüler und Lehrer ein Gesamtbild über die Auffassungen der Schüler gewinnen und besaßen Datengrundlagen für die weiterführenden Diskussionen innerhalb der Lerngruppen.

 Neuartig ist aber der jetzt unternommene Versuch, Grundfragen des schulischen Lebens, d.h. Voraussetzungen des Arbeitens und Lernens einer näheren Betrachtung zu unterziehen. Den Anstoß dazu gab die durch die  neue Schulgesetzgebung beabsichtigten reformerischen Impulse, die v.a. auf dem Hintergrund der bildungspolitischen Debatten um PISA und die Folgen intendiert sind. Insbesondere die Erarbeitung eines Schulprogramms. Die Formulierung eines besonderen Profils soll für jede Schule vorrangige Aufgabe sein. Die Gruppe von Lehrern, Eltern und Schülern, die sich Ende Februar dieses Jahres traf, um sich Gedanken über einen Einstieg in die Programmarbeit zu machen, kam sehr schnell auf den Einfall, den Ist-Zustand der Bewusstweins- und Gefühlslage der Schülerschaft - um diese geht es ja bei den gegenwärtigen Reformanstrengungen, - zu erforschen. Im Brainstorming-Verfahren wurden die Fragenkomplexe entwickelt, die zur genaueren Formulierung und Vorbereitung dem Fachbereich, der sich mit Umfragen schon auskannte, übertragen wurden. Die datentechnische und informationsverarbeitungs- theoretische Arbeit wurde von Herrn Dörger übernommen, der auch die Auswertung der ca. 450 Fragenbögen durchgeführt hat.

2. Die dem Kollegium vorliegenden Materialien enthalten den Fragebogen mit 17 Fragen, d.h. inhaltlich mit 14 Fragen sowie das Gesamtergebnis. Die Steuerungsgruppe hatte seinerzeit Fragen zu vier Themenkreisen für wichtig gehalten. Hinzu kamen Zusatzfragen  (u.a. zum Thema Vandalismus).

Fragenkreise:

4,5,6     Allgemeines Wohlbefinden, Beziehung zu Lehrern und Mitschülern Lehrer als Vertrauenspersonen Frage 16 zusätzlich

7,8,9     Unterricht, Hausaufgaben, Meinungsklima

10,11,12  Geschlechter und ihre Behandlung durch die Lehrer, Schüler

13,14,15  Aggression und Gewalt an der RKO  

Die Fragebögen (grafisch von Herrn Dörger gestaltet) geben durch Vorformulierung jeweils mehrere Antwortmöglichkeiten vor, die von den Schülern angekreuzt worden. Mädchen und Jungen er­hielten verschiedenfarbige Bögen mit denselben Fragen. Die Durchführung der Befragung verlief dank der reibungslosen Koopera­tion des Kollegiums unproblematisch. Diese war nötig, zumal die Schüler in einer völlig ungewohnten Lage waren, allein, isoliert und spontan und v.a. ohne anschließende zensierende Bewertung und Einschätzung durch den Lehrer oder Beeinflussung durch den Nachbarn in kurzer Zeit ihre tatsächliche Meinung darzulegen. Umso überraschender war es für die Auswerter, die Ergebnisse zur Kenntnis zu nehmen. Die Schüler hatten ja: Gelegenheit, ohne ein missbilligendes Echo fürch­ten zu müssen und ohne den Druck ihrer Altersgruppe auch negativen Ge­fühlen gegenüber der Schule und ihren Lehrern Ausdruck zu verleihen.

3. Vor wenigen Tagen widmete eine bekannte Tageszeitung in einer Wochenendbeilage den Problemen der Schule und der Lehrer eine ganze Seite. Die in der Öffentlichkeit immer wieder diskutierten Schwierigkeiten der Schule: wachsende Gewalt, renitente Schüler, Unzufriedenheit mit dem Unterricht, zerbrechende und funktionsunfähige Elternhäuser, frustrierte und ausgebrannte Lehrer u.s.w. Wenn dies die für das Schulwesen zutreffenden Merkmale sind ,die u.a. das Mittel­maß der Leistungsfähigkeit der deutschen Schule erklären und immer wieder auch Reformnotwendigkeiten begründen sollen, wenn dies unbestreitbare Tatsachen sind, dann fällt unsere Schule völlig aus dem Rahmen oder die Fragen an die Schüler wurden falsch gestellt. Da die Steuerungsgruppe nicht auf bekannte Modelle für eine Gesamterhebung zur Thematik Lern- und Arbeitsklima zurückgreifen konnte, müssen wir  die Ergebnisse in Kenntnis der offensichtlichen Beson­derheiten in unserer "Lernrepublik" zur Kenntnis nehmen und im Anschluss Konsequenzen für die Programmarbeit überlegen.

4. Die Schüler und Schülerinnen der RKO fühlen sich in der Schule durchweg wohl. Mit der Lehrerschaft kommen sie recht gut zurecht, ebenso mit den Mitschülern.

Der Unterricht macht unterschiedlich starke Schwierigkeiten. Die Schwankungsbreite ist naturgemäß ziemlich groß. Dies trifft auch für die Hausaufgabenbelastung zu. Etwa zwei Drittel empfinden diese als nicht zu hoch. Jeder vierte Schüler fühlt sich sehr stark belastet. Das Meinungsklima in der Schule wird als liberal eingeschätzt. Auch hier gibt es Schwankungsbreiten.

 Jeder fünfte hält Jungen für bevorzugt (meist Mädchen) und jeder Dritte meint, dies treffe eher für Mädchen zu. Immerhin schätzen zwanzig Prozent der Schüler das Verhalten Mädchen gegenüber als verbesserungsbedürftig ein. Die Unterschiede nach Alters- und Geschlechterzugehörigkeit sind hier sehr groß.

Die Rolle gewaltsamer Auseinandersetzungen an der RKO ist der Erhebung zufolge  sehr gering. Wir unterschieden in der Befragung verbale Gewalt, Bedrohungsgefühl und manifeste physische Ausdrucksformen. Wenn dieser Befund zutrifft, dann ist unsere Lehranstalt offensichtlich eine"0ase des Friedens"

Bezüglich Artikulation und Wahrnehmung sowie Ansprechbarkeit für Sorgen und Nöte der Schule konsultiert jeder Schüler einen Lehrer, wobei die Mädchen eher als Jungen Lehrer ins Vertrauen ziehen. Die Gruppe der Gleichaltrigen ist nicht überraschend der wichtigste Be­zugspunkt für vertrauliche Gespräche. Aber auffällig ist das gute Abschneiden der Elternhäuser. Die Eltern spielen als Anlaufpunkt für die Schüler aller Alters- und Geschlechtergruppen erfreulicher­weise nach wie vor eine bedeutende Rolle.

Alle diese Befunde sind angesichts des üblichen Lamentos über den Zustand unserer Schulen schon sehr überraschend.

Im negativen Kontrast zu den bisherigen Auswertungen fühlen sich die meisten Schüler für Schäden: Schmierereien, Schädigungen im
Schulgebäude nur sehr begrenzt verantwortlich. Mädchen mehr als Jungen meinen, Vandalismus ginge sie nichts an. Immerhin würde jeder fünfte Schüler Beschädigungen einem Lehrer melden.

5. Nach diesen hochaggregierten Datenbefunden, die ein überraschend positives Bild der Schüler von ihrer Schule abgeben, sollen nunmehr einige Differenzierungen bekannt gemacht werden.

Besonders wohl in der Schule fühlen sich die Mädchen des 12., jetzt 13.Jahrgangs, aber auch der 9.Klassen sowie die Jungen der 7. und 8.Klassen. Nirgendwo sackt der Prozentsatz unter 40 v.H. Interessant dennoch die Frage, weshalb 5% unserer Schüler gar nicht gern kommt.

Probleme mit Lehrern haben insgesamt wenige Schüler. Auffällig ist aber schon, dass Probleme vor allem Jungen notieren, (ca.10 v.H.; Mädchen 2,4 v.H.)Ein Zusammenhang mit dem Eindruck vieler Schüler, vor allem bei Jungen, Mädchen kämen bei uns besser weg, ist nicht zu übersehen. Die Frage nach der Mitarbeit im Unterricht muss sehr unterschiedlich nach Alter und Jahrgängen beantwortet werden. Der Durchschnitt von 42 v.H. schwankt von über 60 v.H. bei den älteren Mädchen bis unter 30 v.H. bei den unteren Klassen. Auch zwischen den Sprachgruppen (deutsche und nicht deutsche Muttersprache) gibt es große Unterschiede.

Unterschiedliche Sprachbeherrschung (ein typisches Problem unserer Schule) und des Reifezustands mag ein Erklärungsmodell bieten. Bei der Belastung durch Hausaufgaben beklagen sich mehr die Jungen über zu starke Belastung. Die Beurteilung des Meinungsklimas fällt bei den Jungen bedeutend positiver aus als bei den Mädchen, die offensichtlich vorsichtiger sind. Über die Einschätzung der Geschlechterpräferenzen ist schon geredet worden. Auffällig aber ist die Zufriedenheit der älteren Mädchen mit dem Benehmen der Jungen und der hohe Grad der Klagen der jungen Mädchen über das Verhalten der Jungen. Immerhin gibt es auch Jahrgänge (9,8)von Jungen, bei denen jeder fünfte selbstkritisch einen höflicheren Umgang mit den Mädchen für notwendig hält.

Zur Präsenz von Gewalt sind keine großen Schwankungen festzustellen. Kurioserweise geben zwei bis drei von Hundert Mädchen sowie 6 bis 8 v.H. der Jungen zu, selbst als Prügler negativ aufgefallen zu sein. Vertrauenspersonen für ihre Sorgen sind  - dies wurde schon gesagt - vor allem die Gleichaltrigen, aber für 14 v.H. auch die Lehrer. Bei den älteren Mädchen (12./13. Jahrgang 22 v.H.) sind 17 v.H. bei den gleichaltrigen Jungen ebenso viele mit Lehrern als Vertrauenspersonen einverstanden. Mehr Jungen als Mädchen aber (bis zu mehr als IG Prozent fühlen sich mit ihren Sorgen in der Schule allein gelassen.).

Zum "Vandalismusproblem" ist oben schon alles Wesentliche gesagt.

6. Zu den Schlussfolgerungen für die Überlegungen zum künftigen Selbstverständnis unserer Schule muss jetzt die Diskussion beginnen.
Trotzdem ist - bevor uns die Veränderungs- und Reformwut erfasst - festzustellen, dass offensichtlich in der Schule einerseits hoch
entwickelte und bewahrungswürdige Kultur des Zusammenlebens und des Lernklimas besteht, die uns allen für die Zukunft besondere
Vorsicht auferlegt. Wir formulieren immer wieder soziales Lernen als wichtigen Programmpunkt und vergessen, in wie hohem Maße wir bereits jetzt eine vergleichsweise hohe Kultur positiver Kommunikation praktizieren. Das bedeutet - es sei denn wir zweifeln die vorliegenden Daten an - dass wir uns hüten müssen, Probleme zu registrieren, wo unsere Schüler keine verursachen und auch keine sehen. Zu bedenken ist als Aspekt einer Profilbildung auf dem Hintergrund eines bereits bestehenden hohen Niveaus  positiven zwischenmenschlichen Umgangs die Formulierung der Lernförderung von Menschen unterschiedlicher nationaler Herkunft. Dieses Profil, das
Integration (hervorgehoben durch mich: Hr. Schmidt) in ein  deutsch geprägtes Umfeld im Schulalltag in den Vordergrund stellt, fußt auf inzwischen jahrzehntelanger Erfahrung eines gewachsenen Lehrerkollegiums. Die Schule könnte in diesem Sinne auch in Zukunft - gymnasiale Anforderungen stehen dabei nicht zur Disposition – ein attraktives Angebot für aufgeschlossene Elternhäuser und junge Lehrer bieten, denen das besondere Lernumfeld dar RKO gefällt und die auch den Umgang mit sozialen Problemlagen nicht scheuen.

                                                                                                                           Hr. Stein, September 2004