Phoenix

Es handelt sich um eine neue, aus Schülerinteresse selbstständig entstandene Musik-, Theater- und Kunst-Gruppe. Sie besteht bisher aus acht Darstellern (11./12.Jahrgang), die gleichzeitig auch Sänger sind, und wird von Marcús Schröder geleitet. Die Gruppe sucht mit Individualität und Ideenreichtum nach unterschiedlichen Möglichkeiten des Auftretens, zunächst natürlich in der Aula der RKO, aber auch in öffentlichen Räumen. So war sie z.B. schon in einem Spiegelkabinett.

Am 9. November hatte PHÖNIX einen Auftritt mit „großem Schauspiel“ in selbst entworfenen Barockkostümen im Kaufhaus Lafayette, auf dem Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor und am Potsdamer Platz samt Arkaden; Thema der Aktion war: Stumme Mimik.

Als nächstes gestaltete PHÖNIX das große RKO-Weihnachtskonzert am 14.12.05 in der Aula mit aus.

Probenzeiten: Jeden Mittwoch 18 Uhr in der Aula (gegebenenfalls aber auch an anderen Orten)

Ziele der Gruppe:

- Spaß an Schauspiel und Musik (Singen!)

- Jeder soll seinen Ideenreichtum einfließen lassen

- Kunst, Musik und Theater sollen miteinander verbunden werden

- die Auftritte dienen der Selbstverwirklichung und zeigen das Engagement der Schüler dieser Schule auf eine ganz neue Weise


Das Geheimnis hinter der „Klausurtür“

Jeder von euch kennt das: Du sitzt in einer Klausur/Arbeit und da passiert ES! Zwischen dem Kratzen des Stiftes und dem Papierrascheln ist etwas anderes wahrzunehmen. Du versuchst dich zu konzentrieren, aber es ist doch so störend! Da ist es dann aber auch schon passiert: Zwischen Goethe und Schiller schiebt sich der neueste Modetrend ein, oder der 1. Weltkrieg bekommt musikalische Untermalung von „50 Cent“. Wer jetzt sagt, das hat er noch nicht erlebt, hat Glück gehabt. Es gibt garantiert genügend andere Schüler, die diese Situation oder eine ähnliche kennen.

Stellt euch mal die Frage: „Wie würde ich das finden, wenn ich in meiner Konzentration gestört werde?“

Einige von euch werden jetzt bestimmt ziemlich entrüstet sein und sagen: „Hey! Er hat ja Recht, aber wie kann ich das verhindern oder ändern?“

Die Antwort auf diese Frage ist simpel und genial zugleich: Wenn ihr gerade mal keine Klausur habt, aber auf einer Etage im Gebäude Unterricht habt und ihr bemerkt, wo so ein oder ein ähnlicher Vorfall sich vor euren Augen (eher: Ohren) abspielt, dann ergreift die Initiative und unterbindet das, indem ihr eure Mitschüler bittet, nach draußen zu gehen oder einfach den MP3-Player auszuschalten.

Oder wollt ihr die nächsten sein, die gestört werden?

Riccardo Kaven


Unser Schulhof

Ich glaube, viele ältere Schüler verbringen lieber die Pausen auf der Straße als auf dem Schulhof, weil sie rauchen und das auf dem Schulhof nicht erlaubt ist. Außerdem ist auf dem Schulhof nicht viel los und es gibt nicht gerade viel zu tun. Die meisten gehen auf der Straße spazieren und kommen irgendwann wieder.

Man könnte schon einen Ballspielplatz abzäunen, doch sicher würden sich alle streiten, wer dort spielen darf. Die Größeren würden gewinnen und die Kleineren würden in den großen Pausen nur zugucken können und sich langweilen. Es könnte auch zu Verletzungen oder Fensterbruch kommen, also ist das mit dem Ballspielplatz eigentlich keine gute Idee.

Die Kinder der Lemgo-Schule nerven. Sie sollten auf ihrer Seite bleiben und nicht zu uns kommen und wild durch die Gegend rennen. Es ist auf der Straße ruhiger als auf dem Schulhof.

Eine Mauer zwischen RKO- und Lemgo-Schulhof zu errichten wäre eigentlich eine gute Idee, doch es gäbe dann nicht mehr so viel Platz für uns und wir müssten einen Umweg machen, um zum anderen Eingang, zum Oberstufengebäude, zum Kunstbereich und zur Sporthalle zu gelangen.

Man sollte aber auch nicht der Grundschule den ganzen Hof überlassen, da nicht jeder in den Pausen auf die Straße geht. Überlassen wir ihnen nicht kampflos das Feld!

Mohamed Al-Mohamed


Unser täglich Geld

Ich geh mir mal schnell was zu essen holen“, sagt der Elftklässler, bevor er hinter der Eingangstür von Getränke-Hoffmann verschwindet. Mit „was zu essen“ meint er einen Schokoriegel, der wahrscheinlich sein Frühstück darstellt. Manche Schüler ernähren sich aber auch eine Spur gesünder und kaufen ihr Frühstück beim Bäcker gegenüber der Schule. Doch unabhängig davon, wie gesund sich die Schüler ernähren, stellt sich die Frage, warum überhaupt so viele Schüler in den Pausen so viel Geld in den unterschiedlichen Geschäften lassen. Ist es nicht wesentlich preiswerter, Essen von zu Hause mitzubringen? Zumal Getränke-Hoffmann ohnehin nicht gerade billig genannt werden kann und auch der Bäcker erst kürzlich die Preise angezogen hat.

Sicher kann es nicht daran liegen, dass die Schüler im Geld schwimmen, zumal es beim Kaufverhalten kaum Unterschiede gibt zwischen den Kindern wohlhabender Eltern und denen aus Sozialhilfe empfangenden Familien. Die Schüler, die einigermaßen regelmäßig in den großen Pausen auf Kauftour gehen, geben mindestens einen Euro pro Tag in den umliegenden Geschäften aus, also über 20 Euro im Monat. Könnte man dieses Geld nicht sinnvoller verwenden?

Repräsentative Befragungen zeigen, dass die Schüler im Durchschnitt etwa 100 Euro pro Monat zur Verfügung haben, wobei es natürlich große Unterschiede zwischen Mittel- und Oberstufe, Deutschen und Türken, Jungen und Mädchen gibt. Nicht so im Kaufverhalten: Schüler, die wesentlich mehr Geld haben als andere, geben nicht zwangsläufig mehr aus. Warum aber geben sie alle überhaupt täglich Geld aus? Sind es vielleicht soziale Gründe, kaufen Schüler also nur, weil es alle in ihrer Clique tun? Oder kaufen sie nur, weil die Möglichkeit besteht? Wahrscheinlich würde niemand Getränke-Hoffmann vermissen, würde er dort nicht existieren. Es ist allerdings auffallend, dass Filialen dieser Firma häufig in der Nähe von Schulen platziert sind. Man nutzt also bewusst die Unfähigkeit vieler Schüler aus, mit Geld umzugehen. Gleiches gilt auch für den Bäcker, der ohne Folgen die Preise erhöhen kann, weil er genau weiß, dass sich die meisten Schüler von höheren Preisen nicht abschrecken lassen, da Geld bzw. der sparsame Umgang damit für viele keine Rolle spielt. Häufig bekommen Schüler anstatt eines Taschengeldes ihre Pausenkäufe bedingungslos von ihren Eltern

bezahlt, höhere Preise betreffen sie also nicht direkt. Andere wollen - unabhängig davon, ob das zutrifft - zeigen, wie reich sie sind, bzw. damit angeben. Um dieses Bild von sich aufrecht zu erhalten, können sie natürlich auch nicht weniger kaufen, nur weil die Produkte teurer geworden sind.

Eine Lösung wäre sicherlich, alle Geschäfte in unmittelbarer Nähe der Schule zu entfernen, was allerdings schwierig zu bewerkstelligen sein würde. Eine andere Möglichkeit ist die Einrichtung einer Verkaufsstelle, die die gleichen Produkte wie Getränke-Hoffmann oder die Bäckerei verkauft, aber zu humanen Preisen. Diese Idee wird seit Schuljahres-Beginn mit der Cafeteria im Untergeschoss verfolgt, in der die Eltern Velioglu Backwaren, Getränke und Süßigkeiten annähernd zum Selbstkostenpreis anbieten. Allerdings wird das Problem auf diese Weise nicht behoben, sondern lediglich entschärft, da die Schüler auch hier Geld ausgeben.

Letztlich muss, will man das Problem des übermäßigen Geldausgebens durch die Schüler lösen, den Schülern von zu Hause aus der Umgang mit Geld gelehrt werden. Oder wo lernt man das sonst?

W. M.


Cafeteria

Herr und Frau Velioglu wohnen in Kreuzberg seit 1989.

Sie haben zwei Söhne. Der Jüngere geht in die Grundschule, der Ältere besucht die RKO seit vier Jahren. Sie wollen alles für ihre Kinder tun - und für deren Schulkameraden und Freunde. Sie sehen sich genau um an den Orten, wo ihre Kinder leben und lernen, und wollen dazu beitragen, dass die sich dort wohlfühlen.

Sie sagen: Wir sprechen zwar kein fehlerfreies Deutsch, aber wir stellen bei Klassenelternversammlungen trotzdem unsere Fragen. Wir schämen uns nicht.

Frau Velioglu lässt sich auch zur Klassenelternsprecherin wählen und geht im Auftrag der gesamten Schulelternvertretung in die Fachkonferenz Deutsch.

An Wochenenden hat Herr Velioglu mit der Hilfe eines Verwandten und eines Nachbarn den allzu lange nicht renovierten Klassenraum seines älteren Sohnes frisch gestrichen.

Sie sagen: Wir fragen bei Freunden und Nachbarn nach angebrochenen Farbeimern, da spenden viele Leute gern gute, brauchbare Dispersionsfarbe, Lacke, Rollen und Pinsel. Wir kennen das nicht anders in der Türkei, jeder hilft jedem!

Die Klasse ist begeistert und bedankt sich mit einem großen Blumenstrauß.

Herr und Frau Velioglu sind leider zeitweise arbeitslos; sie finden, dass sie nicht zu Hause sitzen sollten, dafür fühlen sie sich zu jung. Von ihrem Sohn hören sie immer wieder, dass viele Mitschüler kein Pausenbrot mitbringen und Hunger haben. In der Schule gibt es nur einen einzigen Getränkeautomaten. Also bitten sie den Schulleiter um die Erlaubnis, in den Pausen für das leibliche Wohl der Schülerschaft sorgen zu dürfen, stellen zwei Tische in eine Nische, die sie auch schnell mal eben renoviert haben, und verkaufen zum Selbstkostenpreis so köstlich und phantasievoll belegte Brötchen, dass Schüler und auch Lehrer gut gesättigt in die nächste Unterrichtsstunde gehen können. Dafür stehen sie gerne schon um 5 Uhr morgens auf, kaufen die Berge von Brötchen, die geschmiert werden müssen, kochen Eier ab, waschen Salatblätter, schneiden Käse, Kräuter .... Der kleine Stand in der engen Nische ist immer dicht umlagert.

Seit Jahren hat das Ehepaar Velioglu in den Elterngremien die Diskussionen um ein Problem verfolgt: Besonders die Oberstufenschüler der RKO hätten wegen unvermeidlicher Springstunden und Nachmittagsunterricht dringend eine

Cafeteria nötig, aber alle Ansätze dazu und Hoffnungen darauf sind bisher an amtlichen Bestimmungen gescheitert. Jetzt kommt der eigene Sohn in die 11.Klasse - sollen er und seine Freunde auch in den Fluren sitzen oder ihr mageres Taschengeld in die umliegenden Kneipen tragen? Die Eltern sehen sich noch einmal sehr genau um in dem alten Schulgebäude. Ihr Kontakt mit dem Hausmeister, der Schulleitung, den Lehrern ist zu einem Vertrauensverhältnis geworden, man hört auf die Fragen und Vorschläge der Eltern. Und man entdeckt nicht mehr gebrauchte Kellerräume mit Wasseranschluss, krempelt die Ärmel hoch, entrümpelt, reinigt und renoviert in den Sommerferien - - -

Sie sagen: Wir kennen viele Leute, jeder hat andere Materialien im Keller, Bretter, Holzplatten, Glasscheiben, - wir können alles gebrauchen und machen was draus!

Mit Staunen betreten Schüler und Lehrer zu Schuljahresbeginn eine fertig eingerichtete Schulcafeteria mit sonnengelb gestrichenen Wänden, perfekt gepflegten Fußböden, blitzblank geputzten Souterrainfenstern (ja, Notausstieg!), durch die sogar die Sonne hereinscheint, und gescheuerten alten Stühlen und Tischen, appetitlich mit farbigen Tischtüchern bedeckt. Da stehen Pflanzen und Blumensträuße, da hängt neben einer großen Uhr ein schaukelnder Harlekin an der Wand, gemütliche Ecken und Nischen laden zu Lektüre, Zweisamkeit und Gruppengesprächen. Es gibt einen weißen Tresen, Brötchen und anderes Gebäck gestapelt hinter großen Glasscheiben, heißen Tee aus dem schönen Familiensamowar und frischen Kaffee. Die Wasser- und Limofläschchen kommen jetzt schön kühl aus dem großen, gebraucht gekauften Kühlschrank.

Herr und Frau Velioglu stehen abwechselnd hinter dem Tresen; sie kennen inzwischen die gesamte hungrige Schülerschaft; sie sind unendlich freundlich und hilfsbereit und geben mit Brötchen und Sprudel so manches aufmunternde Wort einem bedrückten Schüler, der Angst vor dem nächsten Test hat. Von ihnen wird, Deutsch und Türkisch gemischt, so mancher Streit geschlichtet, so manches Geburtstagskind verwöhnt, und wenn ein Schüler sich vordrängelt, wird er ruhig und bestimmt an seine (doch sicher gute) Erziehung erinnert.

Die Robert-Koch-Oberschule mit ihrer besonderen Schülerschaft ( nunmehr fast 100 % nichtdeutscher Herkunft in der Sekundarstufe I) hat Eltern wie das Ehepaar Velioglu dringend nötig. Sie sind zu einem unverzichtbaren Teil der Betreuungs-, Erziehungs- und damit Integrationsarbeit in unserem Kreuzberger Kiez geworden. Sie sind ein Vorbild für all die anderen zugewanderten Eltern, die für ihre Kinder das Beste tun wollen, aber nicht wissen was, und die sich für ihr schlechtes Deutsch schämen.

Sie sind zufrieden, weil sie merken, wie sehr sie gebraucht werden.

Die ganze Schule ist stolz auf sie.

Inge Sewig

Lest, Leute, lest!

Lektüre-Empfehlungen für (fortgeschrittene) RKO-Schüler/innen


Necla Kelek

Die fremde Braut - Ein Bericht aus dem Inneren des türkischen Lebens in Deutschland

erschienen 2005 im Verlag Kiepenheuer&Witsch, Köln, 270 Seiten

Die Autorin Dr. Necla Kelek, geboren 1957 in Istanbul und seit ihrem 9.Lebensjahr in der Nähe von Hannover aufgewachsen, hat Volkswirtschaft und Soziologie studiert und ihre Doktorarbeit über „Islam im Alltag“ geschrieben. Das Buch „Die fremde Braut“ beschäftigt sich besonders mit den Ursachen der Behandlung von Mädchen in traditionell lebenden türkisch-muslimischen Familien, speziell von „Importbräuten“ hierzulande.

Es ist weder ein literarisches noch ein wissenschaftliches Werk, und doch ist es beides: Es liest sich streckenweise wie ein spannender Roman, der aber auf Tatsachen, Erinnerungen und Untersuchungen beruht. Ein sehr brauchbares, ausführliches Literaturverzeichnis am Ende gibt Hinweise zum selbstständigen Weiterforschen - besonders für Leser, die des Türkischen mächtig sind!!

In die anschauliche Erzählung ihrer eigenen Kindheit baut Necla Kelek hochinteressante kleine Exkurse zur türkischen Geschichte ein und greift dabei auf die Biographien ihrer Eltern, Großeltern und Urgroßeltern zurück. So bekommen wir keinen allgemeinen Geschichtsunterricht, sondern Futter für unsere Vorstellung. Als forschende Soziologin und zugleich mitfühlende Frau hat die Autorin Gespräche mit deutsch-türkischen Familienmüttern geführt, die als ganz junge Bräute von ihren Familien nach Deutschland geschickt worden sind, aber ohne Kenntnis der Sprache, des Landes und des hiesigen Systems nicht wirklich in diesem Staat leben. Das Buch steigert sich am Schluss zum flammenden Plädoyer für Aufklärung und Rechtsstaatlichkeit.

Necla Kelek hat für „Die fremde Braut“ den Geschwister-Scholl-Preis 2005 erhalten.


Louis de Bernières

Traum aus Stein und Federn

Roman, erschienen 2004 in England unter dem Titel „Birds Without Wings“ und deutsch 2005 im Fischer-Verlag, Frankfurt/M, 669 Seiten

Der Autor ist trotz seines französisch klingenden Namens Engländer, 1954 in London geboren, im Nahen Osten aufgewachsen, nach seinem Studium an englischen Universitäten jahrelang Lehrer gewesen und lebt nach Wanderjahren in Lateinamerika jetzt als Schriftsteller wieder in London.

Der (umfangreiche!) Roman „Traum aus Stein und Federn“ schildert sehr spannend und anschaulich den Übergang vom Osmanischen Reich zum modernen türkischen Staat am Beispiel eines kleinen, armen anatolischen Dorfes oder Städtchens. Dessen gemischt türkisch- und griechisch-stämmige Bewohner kommen - oft in Ich-Form, also in ihrem persönlichen Sprachstil - zu Wort, immer in kurzen Kapiteln von 1 bis max.10-15 Seiten. So lernen wir Iskander, Ibrahim oder Philothei sehr bald ganz intim kennen und wiedererkennen, verfolgen ihre Schicksale und leben und bangen mit ihnen. In diese sich vor unseren Augen und Ohren zusammensetzende Romanhandlung ist in 22 Kapiteln der Werdegang Mustafa Kemals montiert. Das ist hochinteressant gebaut und geschrieben, denn wer kennt schon in Einzelheiten die Erlebnisse und Ideen dieses Mannes, ohne den es die heutige Türkei wohl nicht gäbe, und zwar kontrastiert mit den zeitgleichen Erlebnissen und Gefühlen griechischer und türkischer Dorfbewohner, in deren Schicksal Kemals Kriegführung und Staatsgründung heftig eingreift? Auch dem besten Kenner der Geschichte der Türkei wird hier ganz unanstrengend, spannend und so anschaulich wie in einem Film Nachhilfeunterricht erteilt.

Inge Sewig







 


 

D.K.

 

 


SUDOKU

Sudoku ist ein Zahlenspiel und stammt aus Japan. Es besteht aus 9 x 9 Feldern. In jedes Feld muss eine Zahl eingetragen werden, und zwar muss jede Zahl von 1 bis 9 einmal vorkommen. Sie darf auch nur einmal in jeder waagerechten Reihe, in jeder senkrechten Spalte sowie in jedem der neun Quadrate enthalten sein. Die kleine Knobelei ist in Japan sehr beliebt, wurde aber nicht in Japan erfunden, sondern geht auf Überlegungen des Schweizer Mathematikers Leonhard Euler (1707 - 1783) zurück.                                                                         Frau Micheel

Übrigens: Wer an Sudoku Feuer gefangen hat, sollte zur Buchhandlung Wilde in der Körtestraße gehen. Dort gibt es billig diverse Taschenbücher voller Sudoku-Rätsel!

 

 

 

Nachtrag

Liegen gebliebener Text vom vorigen Schuljahr

Am 19.4.2005 besuchte die 11a am Wandertag das KZ Sachsenhausen in Oranienburg. Die Atmosphäre war bedrückend, wurde jedoch von verständnislosen Schülern und anderen Besuchern gestört: Über das gesamte Gelände hörte man lachende Stimmen und teilweise sogar Musik aus Handy und Walkman. In ehemaligen Krankenbaracken konnte man die Schreie und das Lachen der Besucher hören, während man sich über die Gräueltaten der SS-Ärzte informierte. Der Gestank der Räume wurde überdeckt vom Parfüm der Besucher. Selbst in dem kalten, nach Tod stinkenden Pathologie-Keller wurde gekichert. Und Rufe wie „Öhh, wo sind denn die Gaskammern und die Öfen?“ waren zu hören.

Man konnte Schüler hören, die sich über „Ausländer“ unterhielten, während sie auf demselben Boden liefen wie vor 60 Jahren die gepeinigten Häftlinge. Selbst ältere Menschen, deren Geschwister oder Freunde als Opfer der nationalsozialistischen Herrschaft in KZs gestorben sein könnten, riefen sich über weite Entfernung etwas zu. Sogar als meine Klasse sich zum Gehen vor dem Informationsgebäude versammelte, hörte man Ausrufe wie „Ihh, da saßen doch die Polacken!“ Obwohl ich den Zusammenhang nicht genau kannte, fand ich diesen Ausdruck an diesem Ort völlig unangebracht.

Die Schüler und anderen Besucher kapieren anscheinend immer noch nicht, was Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Diskriminierung für Auswirkungen haben können. Trotz Gesprächen zwischen Schülern und Lehrern im Unterricht, zwischen Eltern und Kindern zu Hause und trotz Sendungen im Fernsehen gegen Fremdenhass verstehen die Leute das Geschehene nicht zu verurteilen. Jeder weiß, was passiert ist, jeder hat zumindest davon gehört, doch niemanden berührt es wirklich. Wenn selbst „Ausländer“ in Deutschland andere „Ausländer“ mit rassistischen Beleidigungen beschimpfen, ist die Gesellschaft am Boden.

Ich frage immer wieder: WIE KANN DAS SEIN??? Und keiner kann mir eine Antwort geben. Siebzehnjährige Schüler sollten durchaus in der Lage sein zu denken, doch anscheinend ist das zu viel verlangt. Es wird nur über die „richtige“ Musikrichtung, über Stars gesprochen und über den Klassenkameraden gelästert, der nicht die richtigen Klamotten trägt. In jeglichen anderen Dingen wird das Gehirn überlastet, und es verlassen unglaublich dämliche Kommentare und Beleidigungen die Lippen solcher Schüler.

Würde es euch nicht selbst verletzen, wenn ihr beleidigt und gemieden werdet – nur wegen des falschen Haarschnitts?

Ich hoffe, die nächsten Besucher eines KZs trauern ein klein wenig mehr um die Opfer als die Besucher vom 19.4.2005.

Katja Gauß








 

 

 

 

 

 

 

Interview

Wir möchten euch Frau Jesswein vorstellen, mit der wir uns kürzlich zu einem netten Gespräch verabredet haben.

Gülhan: Ihr vollständiger Name ist...

Frau Jesswein: ...Cornelia Jesswein.

Zina: Welche Fächer unterrichten Sie?

Frau Jesswein: Ich unterrichte die Fächer Deutsch, Geschichte und PW.

Zina: Aus welchen Gründen sind sie Lehrerin geworden?

Frau Jesswein: Ich wollte schon als kleines Kind Lehrerin werden. Meine Mutter war Lehrerin.

Gülhan: An welcher Schule haben Sie vorher unterrichtet?

Frau Jesswein: 1977 zu DDR-Zeiten habe ich angefangen als Lehrerin zu arbeiten. Seit 1991 arbeite ich am Gymnasium. Ich war am Erich-Fried-Gymnasium in Friedrichshain.

Gülhan: Was hat Sie dazu bewegt, auf unsere Schule zu wechseln?

Frau Jesswein: Ich bewarb mich für die Stelle als Fachleiterin Deutsch.

Zina: Wie gefällt es Ihnen hier an unserer Schule? Und was sind die positiven Seiten des Lehrerseins?

Frau Jesswein: Gut, ich habe es nie bereut, Lehrerin geworden zu sein. Denn es verläuft keine Stunde so wie die andere. So habe ich immer mit jungen Leuten zu tun, das hält mich jung. Die Schüler unterscheiden sich von Schule zu Schule, hier ist mir besonders aufgefallen, dass es in den Klassen lebhafter zugeht. Ich glaube, das liegt am südländischen Temperament (lacht).

Gülhan: Was wären dann die negativen Seiten?

Frau Jesswein: Ich hätte gerne mehr Zeit für den eigentlichen Unterricht, diese ganzen formalen Dinge wie neue Rahmenpläne und Akten nehmen viel Zeit in Anspruch.

Gülhan: Haben Sie Kinder?

Frau Jesswein: Ja, ich habe einen erwachsenen Sohn, der studiert.

Zina: Haben Sie ein Vorbild?

Frau Jesswein: Eigentlich nicht wirklich. Ich finde, Vorbilder haben mit Lebensphasen zu tun. Sie haben im Laufe meines Lebens gewechselt. Meine Vorbilder sind Menschen, die im Stillen ihre Dinge machen und was erreichen und nicht so spektakulär sind.

Gülhan: Danke für das Gespräch.

Frau Jesswein: Schöne Ferien.

Prüfungsangst?

Die Hände zittern, du fängst an zu schwitzen oder verspürst einen Anflug von Übelkeit – Kennst du das?

Damit bist du nicht allein, viele Schüler leiden mehr oder weniger unter Prüfungsangst, deren Auswirkungen vom flauen Gefühl in der Magengrube über Schwitzen und Zittern bis zum völligen Black-out oder Brechreiz führen können.

Neu ist dieses Phänomen nicht: Das Problem Prüfungsangst existiert, seit es Schule gibt, und ist bis heute für viele Schüler ein großes Problem, das mit enormem Druck verbunden ist. Allerdings hat die Prüfungsangst für den Schüler in den letzten Jahren eine neue Qualität bekommen: Schwindende Ausbildungsplätze verbunden mit ungesicherter beruflicher Zukunft erhöhen den Druck auf den einzelnen Schüler, maximale Leistung und damit einen bestmöglichen Schulabschluss zu erlangen. Deshalb befindet sich der Schüler von heute in einem weitaus größeren Dilemma als der Schüler von vor 20 Jahren.

Ein Patentrezept gegen die Prüfungsangst gibt es leider nicht. Der sicherste Weg, sie schnell zu überwinden, ist eine gute Vorbereitung auf das Prüfungsthema und dann einfach Augen zu und durch!

Zina Zaimeche

Keine Lorbeeren für Selbstdarsteller

Auf unserer Schule ist es gang und gäbe, dass Schüler im Unterricht ihre Allgemeinbildung kundtun, ohne dass danach gefragt ist. Sie melden sich (manchmal nicht mal das) und geben ihr Wissen zu einem im Unterricht besprochenen Thema zum Besten, um zu glänzen. Andere Schüler dagegen, die auf solche Selbstdarstellung verzichten und sich nur melden, wenn konkrete Fragen gestellt werden, haben dann keine Chance. Lehrer gehen häufig davon aus, dass die Schüler sowieso keine Allgemeinbildung haben (bei der großen Mehrheit trifft das leider auch zu); daher stellen sie keine Fragen, sondern geben statt dessen gleich die Antworten. So entgeht denjenigen Schülern, die die vom Lehrer verkündeten Fakten schon wussten, die Möglichkeit, mit Allgemeinbildung (die allerdings im Schulunterricht recht selten eine Rolle spielt) zu glänzen. Während dem bescheidenen Schüler lediglich die Resignation bleibt, weiß sich der eingebildete Selbstdarsteller zu helfen: Entweder er gibt ohne Aufforderung sein gesamtes Wissen zum Thema kund, oder (noch schlimmer) er stellt Fragen, die weder von Intelligenz noch von Bildung zeugen.

Nun sollte man meinen, die Mehrheit der Lehrer steht über solcher Erschleichung von Anerkennung. Doch leider fallen nicht wenige Lehrer auf diese Praktiken herein, bescheinigen den betreffenden Schülern Allgemeinbildung oder loben ihre „kluge Fragestellung“, während derjenige Schüler, der das vom Lehrer Erzählte schon vorher wusste und deshalb keine Fragen zu stellen braucht, beschuldigt wird, keine Allgemeinbildung zu besitzen – schließlich beteiligt er sich ja nicht aktiv am Unterricht!

W.M.

Karl Auer von Auergau & der Humor

Die Geschichte des deutschen Humors ist lang & tragischer, als man vermuten mag. Die beunruhigend zufällige Entwicklung besagten deutschen Humors findet ihren Ursprung im Schaffen des vagabundierenden Sachsen "Karl Auer von Auergau". Karl war ein leidenschaftlicher und zutiefst ernster Liebhaber der eigenen Kultur und darüber hinaus ein

in seinen Kreisen durchaus überzeugender Redner. Seine Veranlagungen brachten Karl dazu, eine winzige Bürgerbewegung namens "Sami-ak!" (Sachsen missionieren - AKTIV!) zu gründen. Der entstandene Pulk gelangweilter Kneipengänger traf sich wöchentlich in rot-weißen Kleidern, um in angespannter Runde energisch sächsische Wahrheiten hervorzustoßen und mit einem 3-fachen "Sami-ak!"- Choral abzusegnen. Schließlich kam der Moment, da alle weiterzugebenden Weisheiten gesammelt waren und es Grenzen zu überschreiten galt. Doch der Großteil der "Bewegung" hatte die Heimat inzwischen zu sehr lieben gelernt, als dass er diese zu verlassen imstande wäre. Nur Überzeugungstäter Karl Auer wagte sich in seiner grellen Amtstracht nach außerhalb, den Rest der Welt zu missionieren.

Er landete in einem trüben Kaff voller verbitterter Realisten vier km westlich der Grenze. Dort angekommen betrat er in seiner völlig durchnässten, absurd bunten Kleidung sogleich den Dorfpub "Zum Alkohol". Die anwesenden Menschen stoppten ihre gelangweilten Diskussionen und sahen stumm zu, wie Karl mit harter Miene auf das kleine Kneipenpodium zustrebte. Sobald oben positioniert, schleuderte Karl stolz all die bergseetiefen Sachsenweisheiten mit gelegentlich sich überschlagender Stimme und starkem Akzent in die unvorbereitete Menge. Das nüchterne Publikum war von dieser grotesken, unverständlich sprechenden Gestalt völlig erschlagen und wusste keine Reaktion. Mit offenen Mündern wurde über eine Stunde geduldig in den Raum geschwiegen, den nun nur das schrille Gesächsel des fanatischen Auer erfüllte, bis der inzwischen nicht nur vor Stolz glühende Karl schließlich laut mit einem einsamen, 3-fachen "Sami-ak!" abschloss. Da brach es aus ihnen heraus. Das unterentwickelte Zwerchfell der Dorfbewohner empfing unbekannte, neuartige Reize, die es vorerst nicht umzusetzen wusste. Erst wurde kollektiv flach geatmet und allmählich brachten die Menschen ihre Stimmen ins Hecheln - das deutsche Lachen war geboren. Karl deutete diese seltsame Reaktion als der Dörfler Ersatz für das übliche "Sami-ak!" -Echo seiner Gaugenossen und erklärte die geräuschvoll hechelnde Menge im Stillen für erleuchtet.

Das erste Wort, das "der bunte Mann" bei seinem Auftritt hervorgepresst hatte, war der Fremdbegriff "Karlauer" gewesen, den man schließlich als Titel interpretierte. Es sollten zwar noch weitere folgen, doch die "Karlauer" wurden schlechter, je öfter sie geschahen. Karl blieb in besagtem Kaff hängen, da er für seine Auftritte lediglich mit Brot und Alkohol bezahlt wurde, und aus besagtem Karlauer wurde irgendwann das Endprodukt: der Kalauer. Die Dorfbewohner begannen dem Alkohol stärkeren Zuspruch zu gewähren, als sie merkten, dass sich mit reduziertem Verstand bedeutend leichter über die gegen Ende gar grottigen Karlauer lachen ließ. Der alkoholbedingte Verlust der Kontrolle über die Sprachwerkzeuge führte zur kompletten Verbannung des umständlichen "r", und schließlich grölte man nur noch nach "mea Kalaua" (mea maxima Kalaua). Es war Karls lodernder Fanatismus, der ihn auch zu Zeiten spärlichster Lacher nicht die Bühne verlassen ließ. Eine auf grausame Weise unterhaltsame Gestalt bot er dar, wie er am Podium stand mit grippeweißem Gesicht, vom Alkohol geröteter Nase und der damit harmonierenden Kleidung. Auch diese Erscheinung einer rot-weißen Trauergestalt sollte das Humorverständnis der Dorfbewohner dauerhaft prägen.

D.K.


Liebe Leseratten,

ich möchte euch heute über ein Buch berichten, das sich von den meisten uns bekannten Büchern abhebt. Es ist eine Novelle, geschrieben von Uwe Timm, und heißt Die Entdeckung der Currywurst“ - ein sehr merkwürdiger, aber durchaus auch interessanter Titel, der den Leser jedoch zunächst auf eine falsche Fährte führt.

Die Geschichte beginnt zwar mit der Frage, wer die Currywurst erfunden hat und wann das passierte, jedoch wird man dann schnell auf eine Reise in die Kriegs- und Nachkriegszeit entführt. Man findet sich in der Welt einer einsamen Frau wieder, die es schafft, ohne jeglichen Halt die Kriegszeit zu überstehen. Später erfährt man, dass sie gerne kocht und auch in einer Kantine arbeitet - die erste Spur auf dem Weg zur Currywurst. Natürlich darf der Aspekt der Liebe nicht fehlen und auch hier wird man nicht enttäuscht.

Es ist erstaunlich, wie Uwe Timm es schafft, in dieser Welt von Gewalt, Verbrechen und Armut Gefühlsimpulse auszulösen. Man wird als Leser hin- und hergerissen zwischen der Verfolgung einer Liebesbeziehung und der Neugier auf den springenden Punkt, die Entdeckung der Currywurst. Obwohl die Novelle kein Krimi ist, wird man ganz schön auf die Folter gespannt. Auch die Erzählweise führt einen zu interessanten Überlegungen und Vermutungen. Mal steckt man in der Psyche einer jungen Frau, die aber rückblickend von einer alten Frau dargestellt wird, mal befindet man sich in der Psyche eines jungen Mannes, der ganz andere Ziele verfolgt als die junge Frau. Dennoch hängt irgendwie alles um zehn Ecken miteinander zusammen. Man sollte meinen, da könnte man leicht den Überblick verlieren, da schon diese Erklärung einer Erklärung bedarf, aber das Gegenteil ist der Fall: Man findet sich sehr leicht zurecht, da man das Gefühl hat, jedes Detail verfolgen zu können; man wird praktisch auf jede Spur geschubst. Natürlich interessiert einen immer, was denn nun aus dem Liebespaar geworden ist: Werden sie glücklich zusammen? Gibt es für sie überhaupt eine Zukunft, so unterschiedlich, wie sie sind? Hier wird man ein wenig enttäuscht, da nicht mehr viele Informationen zum Schicksal der beiden gegeben werden. Aber auch das führt dazu, dass man sich auf das eigentliche Ziel der Novelle konzentriert, nämlich die Entdeckung der Currywurst.. Umso schockierender ist es am Ende, wenn sich die Zusammensetzung der Currysoße als großer Zufall herausstellt. Damit rechnet man nicht, weil, auch wenn es nicht so wirkt, jedes Ereignis in dieser Geschichte genau geplant ist. Man erwartet eine Riesenleistung und landet schließlich in einem Gemisch aus Curry und Ketchup auf einer Treppenstufe im Hausflur! Auch das ist ein gekonnt eingesetztes Mittel der Verblüffung.

Insgesamt ist es Uwe Timm sehr gut gelungen, ein immer wieder gern genutztes und durchgekautes Thema, nämlich die Kriegs- und Nachkriegszeit, aus einer ganz neuen Perspektive darzustellen. Respekt!

Tuba Toktas


Schreibaufgabe

Zu diesem Bild, das Nilüfer Bahadir, Klasse 8b, aus dem Buch „Jeanne, die Kamikaze-Diebin“ abgezeichnet hat:

Was denkt und empfindet das geraubte Mädchen?