„Uckermärker Zeitung“ vom 17.4.2008

 

Auf‘s Kreuz gelegt

VON MANJA WILDE

 

 

 Auweia, jetzt haben wir auch noch

 welche von der ganz schlimmen Sorte in der Uckermark zu Gast. Welche von diesen gewalttätigen, nichtsnutzigen Jugendlichen, die man aus dem Fernsehen kennt. Denen nichts heilig ist, außer vielleicht ihrer Religion: Migranten aus einer Berliner Schule. Zu allem Übel steht die auch noch in Kreuzberg. „Ach, das sind doch solche, für die erst Künstler oder Popstars angeheuert werden müssen, die für viel Geld Projekte organisieren, für die die durchtriebenen Gören dann auch noch beklatscht werden“, schießt es einem in den Kopf. Beispiele wie das Musical „Streets of Wedding“, das der amerikanische Künstler Todd Fletcher, mit seiner Frau und Schülern einstudiert hat, sind in Erinnerung.

Hach, es ist schön einfach, sich mit Vorurteilen zufrieden zu geben, dass es fast verwundert, wenn sich die jüngeren Menschen völlig normal verhalten. Wenn sie etwa, wie die 23 Achtklässler aus eben jenem Kreuzberger Gymnasium aufmerksam durch die Uckermark spazieren, sich Natur. und Kirchen (!) ansehen und sich bereitwillig deren Geschichte erzählen lassen. So wie am Dienstag in Röpersdorf geschehen.

Oder muss man an ein Wunder glauben, wenn die 20 Türken, zwei Araber und die eine Bosnierin nicht nur den Vortrag über das Gotteshaus über sich ergehen lassen, sondern nachfragen und am Ende sogar ihre kleinen Taschengeldbeutel zücken und alle, wirklich alle, etwas in das Körbchen von Heinz-Jürgen Kurtze, 1. Vorsitzender des Förderkreises Röpersdorfer Kirchturm e.V., zum weiteren Aufbau der Kirche geben. Manchmal legen uns unsere eigenen Vorurteile ganz schön aufs Kreuz.